Idee und Aufbau

Als der Bachelor-­ und Master-Studiengang "Philosophy & Economics" im Wintersemester 2000/2001 seinen Betrieb aufnahm, da war dies auch ein Experiment. Nach 10 Jahren steht fest: Das Experiment war sehr erfolgreich. Der Erfolg zeigt sich insbesondere an den Werdegängen unserer Absolventinnen und Absolventen. Man findet sie heute weltweit in vielen Master- und Promotionsprogrammen hochkarätiger Universitäten. Sie arbeiten in Unternehmen, Unternehmensberatungen, Ministerien, Entwicklungsagenturen, NGOs, Parteien und Verbänden. Von denen, die sich der Forschung verschrieben haben, sind einige bereits Professoren.

Grundidee

Die Grundidee von P&E besteht darin, Absolventinnen und Absolventen auszubilden, die in der Lage sind, schwierige Entscheidungsprobleme mit analytischer Grundsätzlichkeit anzugehen.

·         Schwierige Entscheidungsprobleme sind dabei z.B. Entscheidungen, die von großer Tragweite sind, konfligierende oder klärungsbedürftige Bewertungsdimensionen haben und eventuell auf Basis sehr unsicheren Wissens getroffen werden müssen.

·         Analytisch grundsätzliches Angehen heißt, Entscheidungsprobleme (wie zum Beispiel in der Sozial, Gesundheits- oder Umweltpolitik) umfassend zu strukturieren, deskriptive und normative Komponenten zu trennen, gegebenenfalls quantitative Analysen (Kosten, Risiken etc.) zu erstellen, systematisch die Qualität gemachter Annahmen zu beurteilen und normativ-ethische Beurteilungsstandards zu entwickeln. Das verlangt einen kühlen Kopf und schließt zudem die transparente Präsentation bzw. die an strikten Sachlichkeitsnormen orientierte Moderation von Standpunkten mit ein.

Menschen mit diesen Fähigkeiten werden vor allem dort gebraucht, wo strategische Entscheidungen analysiert, vorbereitet, getroffen oder vertreten werden müssen – also etwa in der Unternehmens- oder Politikberatung, auf der Führungsebene bzw. in den Grundsatzabteilungen von Unternehmen, Verbänden oder Parteien, in den Planungsstäben internationaler Organisationen oder auch in Presseabteilungen.

So exotisch oder auch abwegig die Kombination der anwendungsorientierten Ökonomie mit der reflexionsorientierten Philosophie in Deutschland manchem im Jahre 2000 noch erschien, so naheliegend ist sie. Dabei hinkt die deutsche Entwicklung eigentlich hinterher: Insbesondere in England haben Studiengänge, die Philosophie und Ökonomie miteinander verbinden, eine lange Tradition.

Weiterhin werden Nobelpreisträger der Ökonomie wie Amartya Sen, John Harsanyi und James Buchanan gleichermaßen als Ökonomen wie als Philosophen wahrgenommen. Klassiker wie Aristoteles, David Hume, Adam Smith, John Stuart Mill oder auch Karl Marx waren nach heutiger Terminologie gleichermaßen Philosophen wie Ökonomen. Insofern ist die Idee, Philosophie und Ökonomie im Hinblick auf die Analyse und Lösung von schwierigen Entscheidungsproblemen zusammenzubringen, nicht unsere Erfindung. Aber sie inspiriert uns. Lax formuliert, könnte man auch sagen: Wir sind fest überzeugt, dass Wirtschaften kein reflexionsloses Geschäft und Philosophieren keine brotlose Kunst sein muss.

Aufbau

Unser Curriculum umfasst entsprechend unserer Ausbildungsidee eine Reihe grundlegender ökonomischer und philosophischer Pflichtbereiche. Es enthält aber auch Wahlbereiche, um relativ früh eigene Schwerpunktsetzungen zu ermöglichen. Hinzu kommt die Besonderheit des Verzahnungsbereiches, in dem die Studierenden Seminare absolvieren, die anhand ausgewählter Themen die ökonomische mit der philosophischen Perspektive kombinieren. Charakteristisch für die Philosophie in unserem Studiengang ist dabei der analytische Zugriff, bei dem scheinbar harmlose Fragen wie „Was soll das eigentlich heißen?“, „Woher weiß man das eigentlich?“ oder „Warum sollte man das tun?“ ständige Begleiter des Denkens und Redens sind.

Unterlegt wird das fachwissenschaftliche Curriculum mit einem Basismodul, in dem spezielle Fertigkeiten in der Analyse und Präsentation komplexer Lagen und Sachverhalte vermittelt werden. Hinzu kommen mathematische Grundlagenveranstaltungen und ein Praktikum. Wir motivieren die Studierenden zu einem Auslandssemester und unterstützen sie bei der Realisierung. Stets gibt es in einem bestimmten Ausmaß Veranstaltungen in englischer Sprache. Regelmäßig binden wir Praktiker aus Wirtschaft, Politik und anderen gesellschaftlichen Institutionen in die Lehre ein. Details zum Curriculum finden Sie weiter unten unter Studium.